Das Geheimnis der zweiten Luft

0 Kommentare
Über das Runner's High und das Geheimnis der
zweiten Luft

Intensives Ausdauertraining ist schweißtreibend und hat es in sich. Wer dabei an seine Grenzen geht, weiß nicht nur, was Erschöpfung bedeutet, sondern erlebt auch das Phänomen der “zweiten Luft”: Plötzlich hat der Körper wieder Kraft. Wir erklären, wie es zu diesem Effekt kommt, den vor allem Rennradfahrer, Ruderer und Läufer kennen.

Egal ob an der frischen Luft oder beim Indoor-Training: Man verausgabt seinen Körper, spürt wie die Kräfte schwinden und sich die Muskeln beschweren. Man wird instinktiv langsamer und eigentlich kann man nicht mehr und will auch nicht mehr. Doch plötzlich kehrt die Energie zurück und man bekommt das, was Sportler die “zweite Luft” nennen! Und nicht nur das: Euphorie macht sich breit – dann erlebt man das sogenannte “Runner’s High”.

Diese beiden Phönomene treten oft zusammen auf – je nachdem über welche Fitness man verfügt: nach einer halben Stunde, 60 Minuten oder noch später. Das ist bei jedem Sportler unterschiedlich. Und nicht jeder erlebt immer ein “Runner’s High”, häufiger kommt es zur “zweiten Luft”.

Die Ursachen für diese beiden Phänomene sind unterschiedlich. Vor der “zweiten Luft” kommt der Sportler zum sogenannten “toten Punkt”. Dieser wird erreicht, wenn die Muskeln stärker belastet werden, als sie über Atmung und Kreislauf mit Sauerstoff versorgt werden können. Gleichzeitig ist der Vorrat an schnell verfügbaren Kohlenhydraten aus den Glykogenspeichern in den Muskelfasern so gut wie aufgebraucht. Es kommt zur anaeroben Energiebereitstellung und zur Übersäuerung. Atemnot und Schwächegefühl sind die Folgen. Wer aber die “Zweite Luft” bekommen möchte, darf jetzt nicht das Handtuch werfen, sondern sollte die Intensität nur kurz drosseln. Denn dann schafft es der Körper aus eigener Kraft, das Sauerstoffdefizit wieder auszugleichen. Nach kurzer Zeit spürt man, wie die Kraft in den Körper zurückkehrt.

Fotolia_24256544_MAllein die “zweite Luft” ist schon ein Hochgefühl und eine Belohnung für guten Wettkampfgeist gegen den eigenen Schweinehund. Ein wahres Glücksgefühl stellt sich ein, wenn der Körper zusätzlich eigene Endorphine ausschüttet. Diese können zu rauschähnlichen Zuständen führen. Das hat vor einigen Jahren eine Forschergruppe aus Nuklearmedizinern und Neurologen der Technischen Universität München und der Universität Bonn herausgefunden, die der Frage nachgegangen war, was hinter dem “Runner’s High” steckt.

Ein “Runner’s High” erleben übrigens nicht nur klassische Ausdauersportler wie Läufer, Rennradfahrer oder Ruderer (“Rowers High”), sondern auch Sportler in anderen Disziplinen. Beispielsweise bei Fußballern oder Handballspielern: Sie berichten von einen “Flow”-Zustand, bei dem ihnen die Bewegungen besonders leicht vorkommen und Spielzüge ganz einfach gelingen.

Mancher läuft dem Glücksmoment des Ausdauersports ein Leben lang hinterher. Aber man muss sich ein “Runner’s High” auch nicht als Trainingsziel setzen. Denn erst wenn der Körper weit über seine eigentliche Ausdauer-Leistung hinaus belastet wird, schüttet er körpereigene Substanzen aus, die diese rauschhaften Zustände auslösen. Und das Überschreiten der Schmerzgrenze ist nicht jedermanns Sache, was vollkommen legitim ist.

Auf dem Asics-Lauf-Blog berichtet Douglas Wakiihuri, Ex-Marathon-Weltmeister aus Kenia davon, wie jeder seinen Laufrausch erreichen kann: „Jeder kann es erleben. Allerdings muss ein normaler Mensch, um dieses Hochgefühl zu erreichen, seine physische Leistung so weit trainieren, dass er mindestens eine Stunde und mehr laufen kann. Anders gesagt: Man muss an einen Punkt kommen, wo man weiterläuft, obwohl der Körper bereits erschöpft ist. Das ist der anormale Zustand, in dem der Körper nur noch dem Wunsch deines Geistes folgt.“

Es darf auch nicht vergessen werden, dass jede Medaille zwei Seiten hat. Das körpereigene Endorphin ähnelt in seiner chemischen Struktur und seiner biologischen Wirkung dem Morphin, einem Opiat. Durch die regelmäßige Ausschüttung von Endorphin gewöhnt sich der Körper an seine eigene Droge und will immer wieder diesen Zustand des Endorphinrausches erreichen.

Quellen:
http://www.healthy48.com/deu/d/toter-punkt–zweite-luft/toter-punkt–zweite-luft.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Aufwärmen
http://www.sport-bz.com/seitenstechen.html
http://sport-attack.org/interessante-fakten-uber-das-lauftraining-das-runners-high/
http://www.achim-achilles.de/lauf-tipps/motivation/1880-runners-high-sechs-fakten.html
http://www.asics.de/running/Wissen/runners-high-fakt-oder-fiktion/
http://www.sueddeutsche.de/wissen/runners-high-jogger-rausch-aufgeklaert-1.258666
http://de.wikipedia.org/wiki/Runner’s_High
http://de.wikipedia.org/wiki/Glykogenspeicher

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.