Einfach gut Vorbereitet! – Mit Marc Böhnke im Gespräch

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Der Kapitän des ETSV Weiche Flensburg: Marc Böhnke

Die deutschen Fußballer sind nach ihrem WM-Titel gerade erst in den verdienten Sommerurlaub gegangen, da fängt für die Fußballer unterhalb der Lizenzligen die Saison schon wieder an. Auch wenn sie nicht aktiv dabei waren, ist aufgrund der WM die Vorbereitungsphase bei einigen Vereinen in diesem Jahr recht kurz ausgefallen. Seit dem 24.05.2014 sollten die Spieler regenerieren, ihre kleinen Verletzungen ausheilen lassen und sich auf die kommende Saison vorbereiten. Ist das überhaupt machbar?

Wie genau eine Vorbereitung in einer Regionalliga-Mannschaft aussieht, erfahrt ihr hier. Ich habe Informationen aus erster Hand, die ich gerne mit euch teilen möchte.

Mit Marc Böhnke, einem unserer Einkäufer, haben wir einen Regionalliga-Spieler unter unseren Mitarbeitern, der auch in der nächsten Saison für den ETSV Weiche Flensburg als Kapitän auflaufen wird. Ich hatte die Gelegenheit, ein kurzes Interview mit ihm zu führen.

Das Niveau in der Regionalliga ist sehr hoch. Die Mannschaften aus der 1. und 2. Bundesliga lassen ihre Nachwuchsmannschaften in der Regionalliga spielen und holen sie bei Bedarf in die 1. Mannschaft. Die Jungs sind bereits Vollprofis und können sich schon früh komplett auf das Training konzentrieren. Der ETSV Weiche Flensburg hat keine 1. Mannschaft in der Deutschen Fußball Liga. Sie sind die 1. Mannschaft.

Marc, erst mal Glückwunsch zu der erfolgreich bestrittenen abgelaufenen Saison. Ihr habt es einigen der Großen gezeigt. Habt ihr mit Platz 6 euer Saisonziel erreicht?

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Immer mit dem Blick zum Mitspieler

Marc: Das Saisonziel für die Liga war: Die Platzierung des Vorjahres verbessern. Das haben wir geschafft, wir haben uns vom 7. auf den 6. Platz verbessert! Zeitweise wurden wir von Journalisten sogar mit der 3. Liga konfrontiert. Überraschend haben wir auch in der Halle gut abgeschlossen und sind nur ganz knapp am Einzug in den DFB-Pokal gescheitert.

Unser Trainer ist zum „Trainer des Jahres“ gewählt worden und wir stellen mit Matthias Hummel den Sportler des Jahres in Flensburg. Diese Auszeichnung geht normalerweise immer an die Handballer der SG Flensburg Handewitt. Für die Mannschaft war die Saison sehr erfolgreich.

Wie ist die Saison für dich verlaufen?

Marc: Bis zum 20. Spieltag habe ich jede Minute gespielt, danach setzen diverse Verletzungen ein, so dass ich in der Rückrunde nicht mehr jedes Spiel bestreiten konnte.
Insgesamt waren meinen Leistungen (Tore, Vorlagen, etc.) in der Vorsaison besser, was sich auch in der diesjährigen Wahl zum „Fußballer des Jahres“ in Schleswig-Holstein widerspiegelt, ich belege nur noch Platz 9.

Eure Saison beginnt schon am 26.07.2014 mit einem Spiel gegen die 2. Mannschaft von St. Pauli. Bist du/ seid ihr gut vorbereitet?

Marc: Die Zeit zwischen Saisonende und dem Saisonstart war sehr kurz. Gerade mal acht Wochen sind vergangen seit dem letzten Saisonspiel. Nach nur vier Wochen Pause haben wir wieder mit dem Training begonnen. Zunächst lag der Fokus noch auf dem Event-Testspiel gegen den HSV sowie auf einem wichtigen Pokalspiel. Anschließend mussten wir schauen, dass wir uns für die Saison fit machen. Es war nicht optimal, wir haben versucht das Beste rauszuholen und werden sehen, wie weit wir sind.

Was waren die Trainingsinhalte in der Vorbereitungsphase? Wie war sie aufgebaut?

Marc: Die Vorbereitungszeit betrug insgesamt nur vier Wochen. Es war kaum Zeit, die Grundlagenausdauer zu trainieren. Wir gingen schnell zu den fußballspezifischen Beanspruchungen über. In den letzten Trainingseinheiten wurden dann immer mehr die Spritzigkeit sowie das Pass-Spiel und der Torabschluss fokussiert.

Wie oft in der Woche habt ihr trainiert?

Marc: Inklusive der Testspiele haben wir in der Vorbereitung 5-6 Einheiten absolviert. Das ist schon ziemlich viel, wenn man bedenkt, dass wir keine Vollprofis sind. Wir gehen einem Beruf nach und haben Familie. Aus diesem Grund verzichten wir auch auf ein Trainingslager, wie es in den oberen Ligen normalerweise durchgeführt wird.

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Der Kapitän als Kämpfer und Antreiber

Wie viele Testspiele hattet ihr insgesamt? Welche Gegner wurden ausgewählt und warum?

Marc: Wir haben 7 Testspiele gegen verschiedenste Gegner gemacht. Von der Kreisliga (Büdelsdorfer TSV) über die dänische Liga bis zur Bundesliga (Hamburger SV) waren Vereine dabei. Es war eine gute Mischung, bei der wir sowohl unsere Offensive, als auch die Defensive in Spielsituationen gut trainieren konnten.

Bekommt ihr neben dem Trainingsplan auch einen Ernährungsplan für die Vorbereitung bzw. die Saison, damit ihr eure Leistung noch steigern könnt?

Marc: Es ist nicht direkt ein Ernährungsplan, den wir bekommen, aber es gibt schon ein paar Tipps, für unserer Ernährung in der Vorbereitungs- und Wettkampfperiode. Wir werden darauf hingewiesen, dass wir vor Training und Wettkampf unsere Kohlenhydratdepots auffüllen und ausreichend Flüssigkeit zu uns nehmen. Powerbar Isotonic Drink vor dem Spiel und Energize Riegel in der Halbzeitpause sind zum festen Bestandteil unserer „Sporternährung“ geworden. Nach dem Spiel gibt es oft noch einen Recovery Drink, damit wir schneller regenerieren und ansonsten sollen wir uns ausgewogen ernähren.

Außerdem werden wir zu Beginn und am Ende der Vorbereitung gewogen, um eine gewissen Kontrolle zu haben.

Welche Ziele hat sich die Mannschaft für die kommende Saison gesteckt?

Marc: Eigentlich bleibt das Saisonziel das gleiche wie in der letzten Saison: Wir haben den Anspruch uns im Vergleich zur Vorsaison zu verbessern. D.h. mindestens Platz 5 in der Liga. Nachdem wir in den letzten 3 Jahren zweimal das Landespokalfinale nur knapp verloren haben, wollen wir nun den Pokalsieg, um endlich mal im DFB-Pokal zu spielen.

Wie sehen deine persönlichen Ziele für die nächste Saison aus?

Marc: Für mich verlief die kurze Vorbereitung leider nicht wie gehofft. Bereits nach der ersten Trainingswoche bekam ich Schmerzen in beiden Sprunggelenken und der Ferse.
Fast zwei Wochen konnte ich nicht mit der Mannschaft trainieren, sondern nur ein rehabilitatives Training im Fitnessstudio absolvieren: Langsames Laufen oder Indoorcycling auf der Trainingsfläche anstatt Sprint- und Intervall-Training auf dem Rasen.

Meine Ziele sind deshalb: Fit werden, Trainingsrückstand aufholen und schnellstmöglich für die Startaufstellung nominiert werden. Dass ich bereits am Wochenende gegen St. Pauli starte, bezweifle ich, aber wie man bei der WM gesehen hat, sind auch die Einwechselspieler immer wieder erfolgreich gewesen.

Ansonsten möchte ich als Kapitän wie in den Jahren zuvor auf und neben dem Platz als gutes Beispiel vorangehen. Neben guten Leistungen auf dem Platz gehört auch die Interessenvertretung der Mannschaft dazu.

Du bist nicht nur Kapitän dieser Mannschaft, sondern mit deinen 30 Jahren auch der „Mannschafts-Opa“. Kannst du mit den jüngeren noch mithalten?

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Dank hoher Sprungkraft und Robustheit Sieger im Kopfballduell

Marc: Rein technisch konnte ich noch nie mit den anderen mithalten. 😉 Was hingegen die Schnelligkeit und Robustheit angeht sehr wohl. Letzteres habe ich mir allerdings auch hart erarbeitet. Als langjähriges Mitglied im Fitnessstudio können sich meine Kraftwerte durchaus sehen lassen 😉

Das ist auf jeden Fall eine ehrliche Antwort. Du bist also kein „Ballkünstler“?
Was denkst du, wie lange du auf dem Niveau noch weiterspielen kannst? Miroslav Klose ist gerade mit 36 Jahren noch Weltmeister geworden. 🙂

Marc: Vor Klose ziehe ich echt den Hut! Ich traue mir noch weitere 1-2 Jahre zu. Je nachdem, wie es sich mit der Gesundheit und dem Privatleben verhält. Fakt ist, dass die Regionalliga Nord mit ihren langen Auswärtsfahrten nach Goslar, Wolfsburg oder Meppen schon sehr viel Zeit in Anspruch nimmt.

Außerdem schaffe ich es durch die Doppelbelastung von Beruf und Sport auch nicht immer, in jeder Trainingseinheit die volle Leistung abzurufen. Anstrengende Bürotage hinterlassen ihre Spuren und ich glaube, dass ich es mit dem Älterwerden immer schlechter kompensieren kann.


Aus der Sportwissenschaft ist bekannt, das man, je älter man wird, mehr Trainingszeit investieren muss, um seine Leistung zu halten und die körperlichen Voraussetzungen für den Leistungssport zu schaffen. Man benötigt auf der anderen Seite allerdings auch mehr Regenerationszeit, um sich von den Belastungen zu erholen…Ein Teufelskreis!


Als Vollprofi wären dann vielleicht noch ein paar Jahre mehr drin? Oder vielleicht die 3. Liga?

Diese Fragen lassen ich mal offen!

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Marc bedanken, dass er sich die Zeit für das Interview genommen hat. Ich spreche da bestimmt auch für viele andere, wenn ich dir sowie deiner Mannschaft viel Erfolg für die kommende Saison wünsche.

Die Daumen sind gedrückt!

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